巨人的時代結束了:無人機開啟了非對稱戰爭的新時代。
巨人的時代結束了:無人機開啟了非對稱戰爭的新時代。
Drohnenkrieg und Geopolitik: Eine neue Herausforderung für den Westen
Jonas Roth
Kommentar
喬納斯·羅斯
評論。
巨人的末日:無人機開啟了非對稱戰爭的新時代。
新技術大大增強了弱勢軍隊和恐怖組織的軍事能力。這對西方構成了巨大的風險——但有一個合作夥伴可以幫助減輕這些風險。
2026年6月8日,上午5:35
。閱讀時間:5分鐘。
插圖:Simon Tanner / NZZ。
在戰爭史上,軍事優勢不一定能保證勝利。西元9年,當三個羅馬軍團進軍條頓堡森林時,寡不敵眾的日耳曼部落設法避免了正面交鋒。相反,日耳曼王子阿米尼烏斯利用他對地形的了解,實施了欺騙戰術和突襲。最終,他的戰士殲滅了所有三個軍團,相當於羅馬軍隊總兵力的八分之一。
請調整設定。
或許最著名的非對稱戰爭案例發生在近兩千年後:在越南,美國花了20年時間試圖擊敗越共遊擊隊,但在遭受嚴重的軍事挫敗和國內政治壓力後,最終於1975年被迫撤軍。正是在這段時期,亨利·基辛格發表了那句名言:「遊擊隊員只要不輸就是贏,正規軍只要不贏就是輸。」
這項原則在今天依然適用——美國目前正在與伊朗的戰爭中經歷著這一點,以色列在與哈馬斯和真主黨的鬥爭中也面臨著類似的情況。然而,一些新的東西已經出現:非對稱戰爭的經濟格局發生了根本性的變化。技術發展擴大了較弱交戰方和恐怖組織的能力。
一條海峽牽動著全世界的神經。
這種不對稱性目前在霍爾木茲海峽體現得最為明顯。伊朗人僅用最簡單的手段就成功控制了全球經濟的瓶頸。德黑蘭無需系統性地砲擊船隻就能做到這一點。威脅發動攻擊,偶爾輔以飛彈或無人機就足夠了。只要革命衛隊具備這種攻擊能力,他們就能有效封鎖霍爾木茲海峽——這將產生全球性的影響。
波斯灣對岸的情況也類似:即使是裝備精良的海灣國家,其最先進的防空系統和戰鬥機也無法阻止伊朗廉價無人機偶爾墜毀在煉油廠或海水淡化廠。這對這些石油君主國的生計構成了嚴重威脅。儘管海灣國家似乎擁有取之不盡的國防資源,但其脆弱性實際上使其束手無策。
以色列也面臨新的威脅。近幾週來,真主黨一直在使用光纖無人機襲擊以色列軍隊——這項技術是該什葉派恐怖組織直接從烏克蘭戰爭中藉鏡。自4月中旬以來,已有13名以色列士兵在此類攻擊中喪生。儘管總理內塔尼亞胡一再強調他已指派國家最優秀的專家來解決這個問題,但除了防空網和霰彈槍之外,目前還沒有找到任何靈丹妙藥。
美國的防禦能力也受到了削弱。
毫無疑問,無人機是這個非對稱衝突新時代最重要的因素。它們徹底顛覆了沿襲數十年的戰爭模式——精準打擊需要付出高昂代價。傳統軍隊花費數百萬法郎購買飛彈,以米級精度擊中目標。
而無人機則使定點清除變得「大眾化」。小型或大型爆炸裝置可以遠端投放到目標上,而且價格低得驚人。例如,伊朗大量向海灣國家投放的「沙赫德-136」無人機,每架造價僅數萬法郎。
這種防空能力上的不對稱性影響尤其顯著:美國和海灣國家經常被迫使用「愛國者」飛彈擊落「沙赫德」無人機——而每枚「愛國者」飛彈的成本約為300萬法郎。因此,與伊朗的戰爭導緻美國防空飛彈和精確導引武器庫存嚴重損耗。儘管目前正在加緊生產,但補充這些消耗殆盡的彈藥可能還需要很長時間。
一方面,這意味著美國軍火公司向包括瑞士在內的合作夥伴交付訂購的防空飛彈將面臨相當大的延誤。另一方面,美國目前在應對其他潛在武裝衝突(例如與中國的衝突)方面,準備工作也暫時有所不足。然而,像“沙赫德”這樣的遠程無人機可以批量生產,並且可以在不顯眼的工廠中通過流水線製造。 [
這無疑向恐怖分子發出了明確的信號。 ]
無人機時代最具潛在影響力的發展在於,非國家行為者和恐怖組織也能輕易獲得無人機。真主黨的無人機並不依賴德黑蘭的供應或技術。小型螺旋槳無人機在電子商店或網路上就能買到;其他零件可以用3D列印機製造,組裝說明也能在網路上找到。什葉派民兵組織當然也不缺炸藥。只需幾百法郎,就能用普通產品迅速製造出致命的精確武器。
拉丁美洲的販毒集團和幫派長期以來一直使用無人機與安全部隊作戰。 4月底,聖戰士與圖阿雷格叛軍聯手在馬利發動了多年來最猛烈的攻擊,他們就使用了螺旋槳無人機攻擊軍事基地。
從歐洲的角度來看,這一切似乎都與歐洲相距甚遠。但那裡的事態發展也應該讓我們對此深思。如果恐怖組織想要攻擊重大活動或國事訪問,他們不再需要招募自殺式炸彈客或透過安檢走私爆炸物。如今,他們可以利用無人機從安全距離發動此類攻擊。
伊朗在霍爾木茲海峽的戰略也可能產生連鎖反應。對全球貿易更為重要的馬六甲海峽、巴拿馬運河或蘇伊士運河的航運,原則上也可以在極小的代價下遭到干擾——只需幾架無人機就足夠了。軍事
能力多元化
:西方必須找到應對這些事態發展和威脅的措施——包括進攻性和防禦性措施。攔截無人機的能力與使用無人機的能力同等重要。
武器系統採購方面尤其需要進行典範轉移。鑑於無人機領域的技術飛速發展,提前生產數萬架無人機,然後指望它們在需要時仍然保持先進水平,已經不再可行。相反,目標是確保供應鏈安全,並創造必要的條件來擴大生產規模,使其適應不斷變化的環境。最重要的是,必須準備好應對低成本威脅的低成本反制措施。
這並不意味著放棄常規武器和防禦系統——它們在對抗常規對手的戰鬥中仍然發揮作用。相反,必須利用無人機來補充這些系統,從而使軍事能力多樣化。
烏克蘭可以提供協助。
好消息是,西方在這發展過程中擁有一個可以攜手共進的夥伴:烏克蘭。四年來,烏克蘭一直在成功地對俄羅斯這個「巨人」進行著一場高度不對稱的戰爭。它在無人機戰爭領域處於領先地位,並不斷以創新令人矚目。例如,烏克蘭憑藉其攔截無人機,找到了一種經濟高效的方式來應對俄羅斯的遠程無人機。海灣國家已經訂購了數千架此類無人機,基輔也派遣了顧問協助部署。
歐洲的情況也類似:最近,幾家德國無人機公司與烏克蘭公司成立了合資企業,共同推動無人系統的研發。
然而,歸根究底,無人機只是新時代不對稱戰爭中的一個要素。人工智慧的崛起也至關重要:它可以將無人機轉變為高度自主的武器。它也能以假訊息和宣傳的形式,促進混合戰爭的發展。
烏克蘭將迫不得已轉化為優勢,因為在俄羅斯入侵之後,它別無選擇。然而,歐洲可以——而且必須——在相對和平時期為這種不對稱的權力轉移做好準備。它的敵人已經在這麼做了,而西方卻在浪費寶貴的時間。 10
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Thomas Fritz
昨天
2推薦
我忍不住笑了。 《新蘇黎世報》最初批評德國聯邦國防軍想要採購像「美洲獅」這樣的豪華全能型戰車,但時間緊迫。好吧,親愛的編輯們,這就是事實。創新如此迅速,現在大量採購毫無意義。 「美洲獅」步兵戰車仍然有其必要性,因為無人系統也有其局限性,而且彼此之間也可能存在部分抵消作用(例如,攔截無人機對抗「烈士」無人機)。現在重要的是採購一種能夠透過現代化改造,在未來30-40年內持續服役的裝甲步兵機械化部署系統。這些需求在戰前就已經很多,戰後更是與日俱增。某些大規模採購當然是合理的。然而,擁有龐大武庫等的專制國家並不佔優勢。俄羅斯這頭「熊」現在就像一頭瘦骨嶙峋的馬戲團動物,而且由於種種原因,其創新能力也大不如前。中國當然不會停滯不前。他們也擁有龐大的武器庫,但同時也具備強大的工業能力。中國在戰爭創新方面的能力究竟有多強,還有待觀察。不應忘記,倉庫裡大量生產的武器系統成本不菲。火箭會耗盡燃料,坦克車也會因長期閒置而受損。因此,不囤積過多武器系統,而是維持工業產能,才是明智之舉。這就是為什麼德國聯邦國防軍擁有的約500枚金牛座巡航飛彈中,只有約100枚處於可操作狀態。這完全是成本問題。他們本來可以儲備2萬枚隨時部署,以確保安全。但如果金牛座飛彈一年後也過時了呢?順便一提,以色列推出了配備特殊瞄準鏡的步槍。只要步槍指向瞄準鏡計算出的彈道軌跡,就能自動射擊。
阿克塞爾‧埃勒巴赫
昨天
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安德森先生一針見血。避免戰爭。尤其不要發動那些你不知道如何脫身的戰爭。文章的說法是正確的。壓力催生創新,而烏克蘭在戰爭中累積了相當豐富的經驗。 「愛國者」飛彈造價昂貴,雷射反無人機武器也是如此,而且雷射武器的效能也有降低的方法。如果一架無人機擊中雷射反無人機武器,數千萬美元的投入就會迅速付諸東流。為了彌補損失,雷射武器必須擊落大量的無人機。非對稱戰爭並不意味著較弱的一方會獲勝。它意味著他們不會失敗,而且傷亡和損失最大的一方幾乎總是處於劣勢。對伊朗來說,時不時地摧毀一些目標就足夠了;這足以對川普和全球經濟施加壓力。即使是最先進的雷射武器,即使在惡劣天氣下也能被幹擾,也無法對抗這種威脅。 (
與文章相關 。)
Schlechte Zeiten für Goliath: Drohnen haben eine neue Ära der asymmetrischen Kriegsführung eingeläutet
Neue Technologien erweitern die militärischen Fähigkeiten von schwachen Armeen und Terrorgruppen stark. Das birgt enorme Risiken für den Westen – doch es gibt einen Partner, der dabei helfen kann, sie abzuschwächen.
08.06.2026, 05.35 Uhr
5 Leseminuten
Illustration Simon Tanner / NZZ
In der Geschichte des Krieges war es schon immer so, dass militärische Übermacht keinen Sieg garantierte. Als im Jahr 9 n. Chr. drei römische Legionen in den Teutoburger Wald vorrückten, gelang es den weitaus unterlegenen Germanen, die offene Feldschlacht zu vermeiden. Stattdessen nutzte der germanische Fürst Arminius seine Kenntnisse der Topografie, um Täuschungsmanöver und Überraschungsangriffe durchzuführen. Am Ende hatten seine Krieger alle drei Legionen vernichtet, ein Achtel des gesamten römischen Heeres.
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Das wohl bekannteste Beispiel für einen asymmetrischen Krieg ereignete sich fast zwei Jahrtausende später: In Vietnam versuchten die USA während 20 Jahren, die kommunistische Vietcong-Guerilla zu bezwingen, bis sie 1975 nach herben militärischen Rückschlägen und unter innenpolitischem Druck abziehen mussten. Aus dieser Zeit stammt der berühmte Satz von Henry Kissinger: «Der Guerillakämpfer gewinnt, wenn er nicht verliert. Die konventionelle Armee verliert, wenn sie nicht gewinnt.»
Dieser Grundsatz gilt bis heute – das erfahren die USA derzeit im Krieg gegen Iran, ähnlich ergeht es Israel im Kampf gegen die Hamas und den Hizbullah. Und doch ist etwas neu: Die Ökonomie der asymmetrischen Kriegsführung hat sich fundamental verändert. So haben technologische Entwicklungen die Fähigkeiten von schwächeren Kriegsparteien und Terrorgruppen erweitert.
Eine Meerenge hält die Welt in Atem
Am deutlichsten zeigt sich diese Asymmetrie derzeit in der Strasse von Hormuz. Mit einfachsten Mitteln ist es den Iranern gelungen, ein Nadelöhr der Weltwirtschaft unter Kontrolle zu bringen. Dafür muss Teheran nicht systematisch Schiffe beschiessen. Es reicht, mit Angriffen zu drohen und diese Drohung gelegentlich mit einer Rakete oder einer Drohne zu untermauern. Solange die Revolutionswächter die Fähigkeit zu solchen Attacken haben, können sie die Meerenge faktisch blockieren – mit globalen Auswirkungen.
Ähnlich sieht es auf der anderen Seite des Persischen Golfs aus: Selbst die modernsten Flugabwehrsysteme und Kampfjets der hochgerüsteten Golfstaaten können nicht verhindern, dass ab und zu eine iranische Billigdrohne in eine Ölraffinerie oder eine Entsalzungsanlage einschlägt. Damit ist die Lebensgrundlage der Petromonarchien akut bedroht. Trotz scheinbar unendlichen finanziellen Mitteln für die eigene Verteidigung sind die Golfstaaten durch ihre Verwundbarkeit faktisch gelähmt.
Auch Israel sieht sich mit einer neuen Bedrohung konfrontiert. Seit einigen Wochen greift der Hizbullah regelmässig israelische Truppen mit Glasfaserdrohnen an – eine Technologie, die die schiitische Terrormiliz eins zu eins aus dem Ukraine-Krieg übernommen hat. Seit Mitte April wurden 13 israelische Soldaten bei solchen Attacken getötet. Zwar betont Ministerpräsident Benjamin Netanyahu immer wieder, er habe die besten Köpfe des Landes auf dieses Problem angesetzt. Doch abgesehen von Netzen und Schrotflinten wurde noch keine Patentlösung gefunden.
Die Verteidigungsfähigkeit der USA ist geschwächt
Drohnen sind zweifellos das wichtigste Element in diesem neuen Zeitalter der asymmetrischen Konflikte. Sie haben ein jahrzehntealtes Paradigma der Kriegsführung auf den Kopf gestellt – dass Präzision viel Geld kostet. Herkömmliche Armeen geben Millionen von Franken für Raketen aus, die ein Ziel auf den Meter genau treffen können.
Drohnen hingegen haben die gezielte Zerstörung gewissermassen demokratisiert. Kleine oder grosse Sprengsätze können per Fernsteuerung an ihr Ziel gebracht werden – und das zu einem Spottpreis. So kosten die iranischen Shahed-136-Drohnen, die Teheran in Schwärmen auf die Golfstaaten abgefeuert hat, nur wenige zehntausend Franken.
Besonders frappant ist die Auswirkung der Asymmetrie bei der Flugabwehr: So sahen sich die USA und die Golfstaaten vielfach gezwungen, Shahed-Drohnen mit Patriot-Raketen vom Himmel zu holen – diese kosten rund 3 Millionen Franken pro Stück. So hat der Iran-Krieg dazu geführt, dass die Bestände an amerikanischen Abwehrraketen und Präzisionsmunition gefährlich dahingeschmolzen sind. Obwohl nun die Produktion hochgefahren wird, dürfte es lange dauern, die verschossene Munition zu ersetzen.
Das führt einerseits dazu, dass die amerikanischen Rüstungsfirmen ihren Partnern – darunter die Schweiz – die bestellten Abwehrraketen nur mit grosser Verzögerung liefern können. Andererseits sind die USA nun vorübergehend schlechter für andere drohende Waffengänge gerüstet, etwa mit China. Langstreckendrohnen wie die Shahed hingegen sind Massenware und können in unauffälligen Werkhallen am Fliessband produziert werden.
Signalwirkung an Terroristen
Die potenziell folgenschwerste Entwicklung in der Ära der Drohnen ist deren Verfügbarkeit für nichtstaatliche Akteure und terroristische Gruppierungen. Für seine Drohnen ist der Hizbullah nicht auf Lieferungen und Know-how aus Teheran angewiesen. Kleine Propellerdrohnen gibt es im Elektrofachmarkt oder im Internet, weitere Teile lassen sich mit dem 3-D-Drucker produzieren, Bauanleitungen gibt es im Internet. An Sprengstoff fehlt es der Schiitenmiliz ohnehin nicht. Im Handumdrehen wird für wenige hundert Franken aus einem handelsüblichen Produkt eine tödliche Präzisionswaffe.
Längst setzen auch Drogenkartelle und Banden in Lateinamerika Drohnen ein, um die Sicherheitskräfte zu bekämpfen. Und als Ende April in Mali jihadistische Kämpfer gemeinsam mit Tuareg-Rebellen die schwersten Angriffe seit Jahren verübten, setzten sie Propellerdrohnen ein, um Militärbasen anzugreifen.
Aus europäischer Sicht erscheint all dies weit weg. Doch die dortige Entwicklung muss auch hierzulande zu denken geben. Wenn terroristische Gruppierungen einen Anschlag auf eine Grossveranstaltung oder einen Staatsbesuch verüben wollen, müssen sie keine Selbstmordattentäter mehr rekrutieren oder Sprengsätze durch Sicherheitskontrollen schmuggeln. Heutzutage lässt sich ein solcher Angriff mit Drohnen aus sicherer Entfernung durchführen.
Auch die iranische Strategie in der Strasse von Hormuz könnte Signalwirkung haben. Denn die Schifffahrt in der für den Welthandel noch wichtigeren Meerenge von Malakka, im Panamakanal oder im Suezkanal liesse sich im Prinzip ebenfalls mit minimalem Aufwand stören – dafür reichen einige Drohnen.
Militärische Fähigkeiten diversifizieren
Der Westen muss eine Antwort auf diese Entwicklungen und Bedrohungen finden – sowohl offensiv als auch defensiv. Die Fähigkeit, Drohnen abzuwehren, ist genauso wichtig wie die Fähigkeit, sie einzusetzen.
Insbesondere bei der Beschaffung von Waffensystemen muss ein Paradigmenwechsel stattfinden. Angesichts der rasanten technologischen Fortschritte im Drohnenbereich ergibt es heutzutage keinen Sinn mehr, Zehntausende Exemplare auf Vorrat zu produzieren und dann darauf zu hoffen, dass sie im Ernstfall noch immer auf dem neuesten Stand der Technik sind. Vielmehr geht es darum, Lieferketten zu sichern und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, bei Bedarf die Produktion zu skalieren und den Bedingungen anzupassen. Vor allem gilt es, für billige Bedrohungen auch billige Abwehrmassnahmen parat zu haben.
Das bedeutet nicht, auf herkömmliche Waffen- und Abwehrsysteme zu verzichten – diese haben nach wie vor ihre Berechtigung im Kampf gegen konventionelle Gegner. Vielmehr müssen Drohnen komplementär zu diesen Systemen eingesetzt werden und dadurch die militärischen Fähigkeiten diversifizieren.
Die Ukraine kann helfen
Die gute Nachricht ist, dass der Westen einen Partner hat, der ihn bei dieser Entwicklung begleiten kann: die Ukraine. Das Land führt seit mehr als vier Jahren erfolgreich einen in weiten Teilen asymmetrischen Krieg gegen den russischen Goliath. Im Drohnenkrieg steht es an vorderster Front und überrascht immer wieder mit Innovationen. So haben die Ukrainer mit ihren Abfangdrohnen eine kostengünstige und effektive Antwort auf die russischen Langstreckendrohnen gefunden. Bereits haben die Golfstaaten Tausende Exemplare davon bestellt – und Kiew hat Berater für deren Einsatz entsandt.
Auch in Europa tut sich etwas: Kürzlich haben etwa mehrere deutsche Drohnenfirmen Joint Ventures mit ukrainischen Unternehmen gegründet, um gemeinsam die Entwicklung von unbemannten Systemen voranzutreiben.
Doch letztlich sind Drohnen nur ein Element im neuen Zeitalter der Asymmetrie. Dazu kommt der Aufstieg von künstlicher Intelligenz: Sie kann aus Drohnen weitgehend autonome Waffen machen. Sie erleichtert auch die hybride Kriegsführung in Form von Desinformation und Propaganda.
Die Ukraine hat aus ihrer Not eine Tugend gemacht, weil sie nach dem russischen Überfall keine andere Wahl hatte. Europa hingegen kann – und muss – sich in Zeiten des relativen Friedens auf die asymmetrische Wende einstellen. Seine Feinde tun das bereits, während im Westen wertvolle Zeit verspielt wird.
10 Kommentare
Thomas Fritz
Gestern
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Ich musste ein wenig schmunzeln. Zuerst wurde in der NZZ noch darüber hergezogen dass die Bundeswehr einen Luxus und Alleskönner mit dem Puma beschaffen wolle, die Zeit aber rennt. Tja liebe Redaktion da habt ihrs. Die Innovation ist so rasant dass es keinen Sinn machen würde, jetzt gross auszuliefern. Den Spz Puma wird es immer noch brauchen, weil unbemannte Systeme auch ihre Grenzen des Möglichen haben, sich teilweise gegenseitig neutralisieren (Abfangdrohnen gegen Shaheed-Drohnen zum Beispiel). Wichtig bleibt ein System zur mechanisierten Verlegung von Panzergrenadieren zu beschaffen, welches mit Modernisierungen 30-40 Jahre im Dienst bleiben kann. Das waren schon vor dem Krieg viele Anforderungen und sind jetzt mehr geworden. Gewisse Beschaffungen in grösserem Stil machen durchaus Sinn. Dennoch ist das Ausmass von autoritären Staaten mit riesigen Waffenarsenalen usw. nicht überlegen. Der Russische Bär gleicht ja inzwischen einem abgemagerten Zirkustier und hat aufgrund mehrerer Faktoren nicht die gleiche Innovationskraft. China wird sicher nicht schlafen. Auch sie haben sich ein riesiges Arsenal zugelegt, verfügen aber auch über grosse Industrielle Kapazitäten. Wie gross Chinas Innovationskraft für den Krieg ist wird sich erst zeigen. Man darf nicht vergessen dass Massen Waffensystemen in Lagerhallen nicht günstig sind. Bei Raketen kann der Treibstoff ablaufen und selbst Panzer können Standschäden aufweisen mit der Zeit. Es macht also durchaus Sinn nicht all zu viele Systeme zu Lagern, aber dafür Industriellen Kapazitäten zu erhalten. Deshalb sind bei der Bundeswehr von den ~500 Tauraus Marschflugkörpern auch nur ~100 Einsatzbereit. Reine Kostensache. Man hätte auch 20‘000 einsatzbereit Lagern können um sich Sicher zu fühlen. Was wenn die Taurus in einem Jahr auch obsolet ist? Israel hat übrigens ein Gewehr mit speziellem Visier eingeführt. Der Schuss löst sich von selbst sobald das Gewehr, in dem vom Visier ausgerechneten Weg gerichtet ist.
Axel Erlebach
Gestern
2 Empfehlungen
Herr Anderson trifft den Punkt. Kriege vermeiden. Vor allen Dingen keine Kriege beginnen, bei denen man nicht weiss, wie man wieder rauskommt. Die Aussage des Artikels ist korrekt. Druck erzeugt Innovation und die Ukraine ist inzwischen kriegserfahren. Patriots sind teuer, Laser-basierte Antidrohnen-Waffen ebenfalls und dann gibt es doch Möglichkeiten, die Effizienz der Laserwaffen zu verringern. Trifft eine Drohne eine Laser-basierte Antidrohnen-Waffe, sind schnell viele zehn Millionen Dollar vernichtet. Um das zu kompensieren, muss die Laserwaffe jede Menge Drohnen abschiessen. Der asymmetrische Krieg bedeutet ja nicht, dass der schwächere Gegner gewinnt. Es bedeutet, dass er nicht verliert und fast immer liegen die hohen Opferzahlen und Schäden auf der Seite des Schwächeren. Dem Iran reicht es, wenn er von Zeit zu Zeit etwas zerstört, das ist genug, um Trump und die Weltwirtschaft unter Druck zu setzen. Dagegen hilft auch keine supermoderne Laserwaffe, die dann doch mal ausgetrickst wird, wenn schlechtes Wetter ist.
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Jonas Roth
Kommentar
🥰🥰🥰🥰🥰🥰🥰
無人機戰爭與地緣政治:西方面臨的新挑戰。
巨人的末日:無人機開啟了非對稱戰爭的新時代。
新技術大大增強了弱勢軍隊和恐怖組織的軍事能力。這對西方構成了巨大的風險——但有一個合作夥伴可以幫助減輕這些風險。
亨利·基辛格發表了那句名言:「遊擊隊員只要不輸就是贏,正規軍只要不贏就是輸。」
非對稱戰爭的經濟格局發生了根本性的變化。技術發展擴大了較弱交戰方和恐怖組織的能力。
防空能力上的不對稱性影響尤其顯著:美國和海灣國家經常被迫使用「愛國者」飛彈擊落「沙赫德」無人機
無人機則使定點清除變得「大眾化」。
恐怖組織,弱勢軍隊,無人機,非對稱戰爭,無人機攔截器,光纖無人機,
喬納斯·羅斯
評論。
巨人的末日:無人機開啟了非對稱戰爭的新時代。
新技術大大增強了弱勢軍隊和恐怖組織的軍事能力。這對西方構成了巨大的風險——但有一個合作夥伴可以幫助減輕這些風險。
2026年6月8日,上午5:35
。閱讀時間:5分鐘。
插圖:Simon Tanner / NZZ。
在戰爭史上,軍事優勢不一定能保證勝利。西元9年,當三個羅馬軍團進軍條頓堡森林時,寡不敵眾的日耳曼部落設法避免了正面交鋒。相反,日耳曼王子阿米尼烏斯利用他對地形的了解,實施了欺騙戰術和突襲。最終,他的戰士殲滅了所有三個軍團,相當於羅馬軍隊總兵力的八分之一。
請調整設定。
或許最著名的非對稱戰爭案例發生在近兩千年後:在越南,美國花了20年時間試圖擊敗越共遊擊隊,但在遭受嚴重的軍事挫敗和國內政治壓力後,最終於1975年被迫撤軍。正是在這段時期,亨利·基辛格發表了那句名言:「遊擊隊員只要不輸就是贏,正規軍只要不贏就是輸。」
這項原則在今天依然適用——美國目前正在與伊朗的戰爭中經歷著這一點,以色列在與哈馬斯和真主黨的鬥爭中也面臨著類似的情況。然而,一些新的東西已經出現:非對稱戰爭的經濟格局發生了根本性的變化。技術發展擴大了較弱交戰方和恐怖組織的能力。
一條海峽牽動著全世界的神經。
這種不對稱性目前在霍爾木茲海峽體現得最為明顯。伊朗人僅用最簡單的手段就成功控制了全球經濟的瓶頸。德黑蘭無需系統性地砲擊船隻就能做到這一點。威脅發動攻擊,偶爾輔以飛彈或無人機就足夠了。只要革命衛隊具備這種攻擊能力,他們就能有效封鎖霍爾木茲海峽——這將產生全球性的影響。
波斯灣對岸的情況也類似:即使是裝備精良的海灣國家,其最先進的防空系統和戰鬥機也無法阻止伊朗廉價無人機偶爾墜毀在煉油廠或海水淡化廠。這對這些石油君主國的生計構成了嚴重威脅。儘管海灣國家似乎擁有取之不盡的國防資源,但其脆弱性實際上使其束手無策。
以色列也面臨新的威脅。近幾週來,真主黨一直在使用光纖無人機襲擊以色列軍隊——這項技術是該什葉派恐怖組織直接從烏克蘭戰爭中藉鏡。自4月中旬以來,已有13名以色列士兵在此類攻擊中喪生。儘管總理內塔尼亞胡一再強調他已指派國家最優秀的專家來解決這個問題,但除了防空網和霰彈槍之外,目前還沒有找到任何靈丹妙藥。
美國的防禦能力也受到了削弱。
毫無疑問,無人機是這個非對稱衝突新時代最重要的因素。它們徹底顛覆了沿襲數十年的戰爭模式——精準打擊需要付出高昂代價。傳統軍隊花費數百萬法郎購買飛彈,以米級精度擊中目標。
而無人機則使定點清除變得「大眾化」。小型或大型爆炸裝置可以遠端投放到目標上,而且價格低得驚人。例如,伊朗大量向海灣國家投放的「沙赫德-136」無人機,每架造價僅數萬法郎。
這種防空能力上的不對稱性影響尤其顯著:美國和海灣國家經常被迫使用「愛國者」飛彈擊落「沙赫德」無人機——而每枚「愛國者」飛彈的成本約為300萬法郎。因此,與伊朗的戰爭導緻美國防空飛彈和精確導引武器庫存嚴重損耗。儘管目前正在加緊生產,但補充這些消耗殆盡的彈藥可能還需要很長時間。
一方面,這意味著美國軍火公司向包括瑞士在內的合作夥伴交付訂購的防空飛彈將面臨相當大的延誤。另一方面,美國目前在應對其他潛在武裝衝突(例如與中國的衝突)方面,準備工作也暫時有所不足。然而,像“沙赫德”這樣的遠程無人機可以批量生產,並且可以在不顯眼的工廠中通過流水線製造。 [
這無疑向恐怖分子發出了明確的信號。 ]
無人機時代最具潛在影響力的發展在於,非國家行為者和恐怖組織也能輕易獲得無人機。真主黨的無人機並不依賴德黑蘭的供應或技術。小型螺旋槳無人機在電子商店或網路上就能買到;其他零件可以用3D列印機製造,組裝說明也能在網路上找到。什葉派民兵組織當然也不缺炸藥。只需幾百法郎,就能用普通產品迅速製造出致命的精確武器。
拉丁美洲的販毒集團和幫派長期以來一直使用無人機與安全部隊作戰。 4月底,聖戰士與圖阿雷格叛軍聯手在馬利發動了多年來最猛烈的攻擊,他們就使用了螺旋槳無人機攻擊軍事基地。
從歐洲的角度來看,這一切似乎都與歐洲相距甚遠。但那裡的事態發展也應該讓我們對此深思。如果恐怖組織想要攻擊重大活動或國事訪問,他們不再需要招募自殺式炸彈客或透過安檢走私爆炸物。如今,他們可以利用無人機從安全距離發動此類攻擊。
伊朗在霍爾木茲海峽的戰略也可能產生連鎖反應。對全球貿易更為重要的馬六甲海峽、巴拿馬運河或蘇伊士運河的航運,原則上也可以在極小的代價下遭到干擾——只需幾架無人機就足夠了。軍事
能力多元化
:西方必須找到應對這些事態發展和威脅的措施——包括進攻性和防禦性措施。攔截無人機的能力與使用無人機的能力同等重要。
武器系統採購方面尤其需要進行典範轉移。鑑於無人機領域的技術飛速發展,提前生產數萬架無人機,然後指望它們在需要時仍然保持先進水平,已經不再可行。相反,目標是確保供應鏈安全,並創造必要的條件來擴大生產規模,使其適應不斷變化的環境。最重要的是,必須準備好應對低成本威脅的低成本反制措施。
這並不意味著放棄常規武器和防禦系統——它們在對抗常規對手的戰鬥中仍然發揮作用。相反,必須利用無人機來補充這些系統,從而使軍事能力多樣化。
烏克蘭可以提供協助。
好消息是,西方在這發展過程中擁有一個可以攜手共進的夥伴:烏克蘭。四年來,烏克蘭一直在成功地對俄羅斯這個「巨人」進行著一場高度不對稱的戰爭。它在無人機戰爭領域處於領先地位,並不斷以創新令人矚目。例如,烏克蘭憑藉其攔截無人機,找到了一種經濟高效的方式來應對俄羅斯的遠程無人機。海灣國家已經訂購了數千架此類無人機,基輔也派遣了顧問協助部署。
歐洲的情況也類似:最近,幾家德國無人機公司與烏克蘭公司成立了合資企業,共同推動無人系統的研發。
然而,歸根究底,無人機只是新時代不對稱戰爭中的一個要素。人工智慧的崛起也至關重要:它可以將無人機轉變為高度自主的武器。它也能以假訊息和宣傳的形式,促進混合戰爭的發展。
烏克蘭將迫不得已轉化為優勢,因為在俄羅斯入侵之後,它別無選擇。然而,歐洲可以——而且必須——在相對和平時期為這種不對稱的權力轉移做好準備。它的敵人已經在這麼做了,而西方卻在浪費寶貴的時間。 10
則評論
Thomas Fritz
昨天
2推薦
我忍不住笑了。 《新蘇黎世報》最初批評德國聯邦國防軍想要採購像「美洲獅」這樣的豪華全能型戰車,但時間緊迫。好吧,親愛的編輯們,這就是事實。創新如此迅速,現在大量採購毫無意義。 「美洲獅」步兵戰車仍然有其必要性,因為無人系統也有其局限性,而且彼此之間也可能存在部分抵消作用(例如,攔截無人機對抗「烈士」無人機)。現在重要的是採購一種能夠透過現代化改造,在未來30-40年內持續服役的裝甲步兵機械化部署系統。這些需求在戰前就已經很多,戰後更是與日俱增。某些大規模採購當然是合理的。然而,擁有龐大武庫等的專制國家並不佔優勢。俄羅斯這頭「熊」現在就像一頭瘦骨嶙峋的馬戲團動物,而且由於種種原因,其創新能力也大不如前。中國當然不會停滯不前。他們也擁有龐大的武器庫,但同時也具備強大的工業能力。中國在戰爭創新方面的能力究竟有多強,還有待觀察。不應忘記,倉庫裡大量生產的武器系統成本不菲。火箭會耗盡燃料,坦克車也會因長期閒置而受損。因此,不囤積過多武器系統,而是維持工業產能,才是明智之舉。這就是為什麼德國聯邦國防軍擁有的約500枚金牛座巡航飛彈中,只有約100枚處於可操作狀態。這完全是成本問題。他們本來可以儲備2萬枚隨時部署,以確保安全。但如果金牛座飛彈一年後也過時了呢?順便一提,以色列推出了配備特殊瞄準鏡的步槍。只要步槍指向瞄準鏡計算出的彈道軌跡,就能自動射擊。
阿克塞爾‧埃勒巴赫
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安德森先生一針見血。避免戰爭。尤其不要發動那些你不知道如何脫身的戰爭。文章的說法是正確的。壓力催生創新,而烏克蘭在戰爭中累積了相當豐富的經驗。 「愛國者」飛彈造價昂貴,雷射反無人機武器也是如此,而且雷射武器的效能也有降低的方法。如果一架無人機擊中雷射反無人機武器,數千萬美元的投入就會迅速付諸東流。為了彌補損失,雷射武器必須擊落大量的無人機。非對稱戰爭並不意味著較弱的一方會獲勝。它意味著他們不會失敗,而且傷亡和損失最大的一方幾乎總是處於劣勢。對伊朗來說,時不時地摧毀一些目標就足夠了;這足以對川普和全球經濟施加壓力。即使是最先進的雷射武器,即使在惡劣天氣下也能被幹擾,也無法對抗這種威脅。 (
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Schlechte Zeiten für Goliath: Drohnen haben eine neue Ära der asymmetrischen Kriegsführung eingeläutet
Neue Technologien erweitern die militärischen Fähigkeiten von schwachen Armeen und Terrorgruppen stark. Das birgt enorme Risiken für den Westen – doch es gibt einen Partner, der dabei helfen kann, sie abzuschwächen.
08.06.2026, 05.35 Uhr
5 Leseminuten
Illustration Simon Tanner / NZZ
In der Geschichte des Krieges war es schon immer so, dass militärische Übermacht keinen Sieg garantierte. Als im Jahr 9 n. Chr. drei römische Legionen in den Teutoburger Wald vorrückten, gelang es den weitaus unterlegenen Germanen, die offene Feldschlacht zu vermeiden. Stattdessen nutzte der germanische Fürst Arminius seine Kenntnisse der Topografie, um Täuschungsmanöver und Überraschungsangriffe durchzuführen. Am Ende hatten seine Krieger alle drei Legionen vernichtet, ein Achtel des gesamten römischen Heeres.
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Das wohl bekannteste Beispiel für einen asymmetrischen Krieg ereignete sich fast zwei Jahrtausende später: In Vietnam versuchten die USA während 20 Jahren, die kommunistische Vietcong-Guerilla zu bezwingen, bis sie 1975 nach herben militärischen Rückschlägen und unter innenpolitischem Druck abziehen mussten. Aus dieser Zeit stammt der berühmte Satz von Henry Kissinger: «Der Guerillakämpfer gewinnt, wenn er nicht verliert. Die konventionelle Armee verliert, wenn sie nicht gewinnt.»
Dieser Grundsatz gilt bis heute – das erfahren die USA derzeit im Krieg gegen Iran, ähnlich ergeht es Israel im Kampf gegen die Hamas und den Hizbullah. Und doch ist etwas neu: Die Ökonomie der asymmetrischen Kriegsführung hat sich fundamental verändert. So haben technologische Entwicklungen die Fähigkeiten von schwächeren Kriegsparteien und Terrorgruppen erweitert.
Eine Meerenge hält die Welt in Atem
Am deutlichsten zeigt sich diese Asymmetrie derzeit in der Strasse von Hormuz. Mit einfachsten Mitteln ist es den Iranern gelungen, ein Nadelöhr der Weltwirtschaft unter Kontrolle zu bringen. Dafür muss Teheran nicht systematisch Schiffe beschiessen. Es reicht, mit Angriffen zu drohen und diese Drohung gelegentlich mit einer Rakete oder einer Drohne zu untermauern. Solange die Revolutionswächter die Fähigkeit zu solchen Attacken haben, können sie die Meerenge faktisch blockieren – mit globalen Auswirkungen.
Ähnlich sieht es auf der anderen Seite des Persischen Golfs aus: Selbst die modernsten Flugabwehrsysteme und Kampfjets der hochgerüsteten Golfstaaten können nicht verhindern, dass ab und zu eine iranische Billigdrohne in eine Ölraffinerie oder eine Entsalzungsanlage einschlägt. Damit ist die Lebensgrundlage der Petromonarchien akut bedroht. Trotz scheinbar unendlichen finanziellen Mitteln für die eigene Verteidigung sind die Golfstaaten durch ihre Verwundbarkeit faktisch gelähmt.
Auch Israel sieht sich mit einer neuen Bedrohung konfrontiert. Seit einigen Wochen greift der Hizbullah regelmässig israelische Truppen mit Glasfaserdrohnen an – eine Technologie, die die schiitische Terrormiliz eins zu eins aus dem Ukraine-Krieg übernommen hat. Seit Mitte April wurden 13 israelische Soldaten bei solchen Attacken getötet. Zwar betont Ministerpräsident Benjamin Netanyahu immer wieder, er habe die besten Köpfe des Landes auf dieses Problem angesetzt. Doch abgesehen von Netzen und Schrotflinten wurde noch keine Patentlösung gefunden.
Die Verteidigungsfähigkeit der USA ist geschwächt
Drohnen sind zweifellos das wichtigste Element in diesem neuen Zeitalter der asymmetrischen Konflikte. Sie haben ein jahrzehntealtes Paradigma der Kriegsführung auf den Kopf gestellt – dass Präzision viel Geld kostet. Herkömmliche Armeen geben Millionen von Franken für Raketen aus, die ein Ziel auf den Meter genau treffen können.
Drohnen hingegen haben die gezielte Zerstörung gewissermassen demokratisiert. Kleine oder grosse Sprengsätze können per Fernsteuerung an ihr Ziel gebracht werden – und das zu einem Spottpreis. So kosten die iranischen Shahed-136-Drohnen, die Teheran in Schwärmen auf die Golfstaaten abgefeuert hat, nur wenige zehntausend Franken.
Besonders frappant ist die Auswirkung der Asymmetrie bei der Flugabwehr: So sahen sich die USA und die Golfstaaten vielfach gezwungen, Shahed-Drohnen mit Patriot-Raketen vom Himmel zu holen – diese kosten rund 3 Millionen Franken pro Stück. So hat der Iran-Krieg dazu geführt, dass die Bestände an amerikanischen Abwehrraketen und Präzisionsmunition gefährlich dahingeschmolzen sind. Obwohl nun die Produktion hochgefahren wird, dürfte es lange dauern, die verschossene Munition zu ersetzen.
Das führt einerseits dazu, dass die amerikanischen Rüstungsfirmen ihren Partnern – darunter die Schweiz – die bestellten Abwehrraketen nur mit grosser Verzögerung liefern können. Andererseits sind die USA nun vorübergehend schlechter für andere drohende Waffengänge gerüstet, etwa mit China. Langstreckendrohnen wie die Shahed hingegen sind Massenware und können in unauffälligen Werkhallen am Fliessband produziert werden.
Signalwirkung an Terroristen
Die potenziell folgenschwerste Entwicklung in der Ära der Drohnen ist deren Verfügbarkeit für nichtstaatliche Akteure und terroristische Gruppierungen. Für seine Drohnen ist der Hizbullah nicht auf Lieferungen und Know-how aus Teheran angewiesen. Kleine Propellerdrohnen gibt es im Elektrofachmarkt oder im Internet, weitere Teile lassen sich mit dem 3-D-Drucker produzieren, Bauanleitungen gibt es im Internet. An Sprengstoff fehlt es der Schiitenmiliz ohnehin nicht. Im Handumdrehen wird für wenige hundert Franken aus einem handelsüblichen Produkt eine tödliche Präzisionswaffe.
Längst setzen auch Drogenkartelle und Banden in Lateinamerika Drohnen ein, um die Sicherheitskräfte zu bekämpfen. Und als Ende April in Mali jihadistische Kämpfer gemeinsam mit Tuareg-Rebellen die schwersten Angriffe seit Jahren verübten, setzten sie Propellerdrohnen ein, um Militärbasen anzugreifen.
Aus europäischer Sicht erscheint all dies weit weg. Doch die dortige Entwicklung muss auch hierzulande zu denken geben. Wenn terroristische Gruppierungen einen Anschlag auf eine Grossveranstaltung oder einen Staatsbesuch verüben wollen, müssen sie keine Selbstmordattentäter mehr rekrutieren oder Sprengsätze durch Sicherheitskontrollen schmuggeln. Heutzutage lässt sich ein solcher Angriff mit Drohnen aus sicherer Entfernung durchführen.
Auch die iranische Strategie in der Strasse von Hormuz könnte Signalwirkung haben. Denn die Schifffahrt in der für den Welthandel noch wichtigeren Meerenge von Malakka, im Panamakanal oder im Suezkanal liesse sich im Prinzip ebenfalls mit minimalem Aufwand stören – dafür reichen einige Drohnen.
Militärische Fähigkeiten diversifizieren
Der Westen muss eine Antwort auf diese Entwicklungen und Bedrohungen finden – sowohl offensiv als auch defensiv. Die Fähigkeit, Drohnen abzuwehren, ist genauso wichtig wie die Fähigkeit, sie einzusetzen.
Insbesondere bei der Beschaffung von Waffensystemen muss ein Paradigmenwechsel stattfinden. Angesichts der rasanten technologischen Fortschritte im Drohnenbereich ergibt es heutzutage keinen Sinn mehr, Zehntausende Exemplare auf Vorrat zu produzieren und dann darauf zu hoffen, dass sie im Ernstfall noch immer auf dem neuesten Stand der Technik sind. Vielmehr geht es darum, Lieferketten zu sichern und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, bei Bedarf die Produktion zu skalieren und den Bedingungen anzupassen. Vor allem gilt es, für billige Bedrohungen auch billige Abwehrmassnahmen parat zu haben.
Das bedeutet nicht, auf herkömmliche Waffen- und Abwehrsysteme zu verzichten – diese haben nach wie vor ihre Berechtigung im Kampf gegen konventionelle Gegner. Vielmehr müssen Drohnen komplementär zu diesen Systemen eingesetzt werden und dadurch die militärischen Fähigkeiten diversifizieren.
Die Ukraine kann helfen
Die gute Nachricht ist, dass der Westen einen Partner hat, der ihn bei dieser Entwicklung begleiten kann: die Ukraine. Das Land führt seit mehr als vier Jahren erfolgreich einen in weiten Teilen asymmetrischen Krieg gegen den russischen Goliath. Im Drohnenkrieg steht es an vorderster Front und überrascht immer wieder mit Innovationen. So haben die Ukrainer mit ihren Abfangdrohnen eine kostengünstige und effektive Antwort auf die russischen Langstreckendrohnen gefunden. Bereits haben die Golfstaaten Tausende Exemplare davon bestellt – und Kiew hat Berater für deren Einsatz entsandt.
Auch in Europa tut sich etwas: Kürzlich haben etwa mehrere deutsche Drohnenfirmen Joint Ventures mit ukrainischen Unternehmen gegründet, um gemeinsam die Entwicklung von unbemannten Systemen voranzutreiben.
Doch letztlich sind Drohnen nur ein Element im neuen Zeitalter der Asymmetrie. Dazu kommt der Aufstieg von künstlicher Intelligenz: Sie kann aus Drohnen weitgehend autonome Waffen machen. Sie erleichtert auch die hybride Kriegsführung in Form von Desinformation und Propaganda.
Die Ukraine hat aus ihrer Not eine Tugend gemacht, weil sie nach dem russischen Überfall keine andere Wahl hatte. Europa hingegen kann – und muss – sich in Zeiten des relativen Friedens auf die asymmetrische Wende einstellen. Seine Feinde tun das bereits, während im Westen wertvolle Zeit verspielt wird.
10 Kommentare
Thomas Fritz
Gestern
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Ich musste ein wenig schmunzeln. Zuerst wurde in der NZZ noch darüber hergezogen dass die Bundeswehr einen Luxus und Alleskönner mit dem Puma beschaffen wolle, die Zeit aber rennt. Tja liebe Redaktion da habt ihrs. Die Innovation ist so rasant dass es keinen Sinn machen würde, jetzt gross auszuliefern. Den Spz Puma wird es immer noch brauchen, weil unbemannte Systeme auch ihre Grenzen des Möglichen haben, sich teilweise gegenseitig neutralisieren (Abfangdrohnen gegen Shaheed-Drohnen zum Beispiel). Wichtig bleibt ein System zur mechanisierten Verlegung von Panzergrenadieren zu beschaffen, welches mit Modernisierungen 30-40 Jahre im Dienst bleiben kann. Das waren schon vor dem Krieg viele Anforderungen und sind jetzt mehr geworden. Gewisse Beschaffungen in grösserem Stil machen durchaus Sinn. Dennoch ist das Ausmass von autoritären Staaten mit riesigen Waffenarsenalen usw. nicht überlegen. Der Russische Bär gleicht ja inzwischen einem abgemagerten Zirkustier und hat aufgrund mehrerer Faktoren nicht die gleiche Innovationskraft. China wird sicher nicht schlafen. Auch sie haben sich ein riesiges Arsenal zugelegt, verfügen aber auch über grosse Industrielle Kapazitäten. Wie gross Chinas Innovationskraft für den Krieg ist wird sich erst zeigen. Man darf nicht vergessen dass Massen Waffensystemen in Lagerhallen nicht günstig sind. Bei Raketen kann der Treibstoff ablaufen und selbst Panzer können Standschäden aufweisen mit der Zeit. Es macht also durchaus Sinn nicht all zu viele Systeme zu Lagern, aber dafür Industriellen Kapazitäten zu erhalten. Deshalb sind bei der Bundeswehr von den ~500 Tauraus Marschflugkörpern auch nur ~100 Einsatzbereit. Reine Kostensache. Man hätte auch 20‘000 einsatzbereit Lagern können um sich Sicher zu fühlen. Was wenn die Taurus in einem Jahr auch obsolet ist? Israel hat übrigens ein Gewehr mit speziellem Visier eingeführt. Der Schuss löst sich von selbst sobald das Gewehr, in dem vom Visier ausgerechneten Weg gerichtet ist.
Axel Erlebach
Gestern
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Herr Anderson trifft den Punkt. Kriege vermeiden. Vor allen Dingen keine Kriege beginnen, bei denen man nicht weiss, wie man wieder rauskommt. Die Aussage des Artikels ist korrekt. Druck erzeugt Innovation und die Ukraine ist inzwischen kriegserfahren. Patriots sind teuer, Laser-basierte Antidrohnen-Waffen ebenfalls und dann gibt es doch Möglichkeiten, die Effizienz der Laserwaffen zu verringern. Trifft eine Drohne eine Laser-basierte Antidrohnen-Waffe, sind schnell viele zehn Millionen Dollar vernichtet. Um das zu kompensieren, muss die Laserwaffe jede Menge Drohnen abschiessen. Der asymmetrische Krieg bedeutet ja nicht, dass der schwächere Gegner gewinnt. Es bedeutet, dass er nicht verliert und fast immer liegen die hohen Opferzahlen und Schäden auf der Seite des Schwächeren. Dem Iran reicht es, wenn er von Zeit zu Zeit etwas zerstört, das ist genug, um Trump und die Weltwirtschaft unter Druck zu setzen. Dagegen hilft auch keine supermoderne Laserwaffe, die dann doch mal ausgetrickst wird, wenn schlechtes Wetter ist.
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